Trend-Thema: Mikroplastik in Kosmetik

Die Werbung macht es vor: Hersteller werben mit „kleinen, weichen, in ätherischen Ölen getränkten Perlen“ die Haut und Zähne „mechanisch“ reinigen. Hier kann – und soll – der Konsument frei interpretieren, was das genau bedeutet. Aber niemand denkt daran, dass es sich um winzig kleine Kunstoffpartikel handelt, die den Weg in unseren Körper und die Umwelt finden können.

Was ist Mikroplastik und warum sprechen alle darüber?

Duschgels mit Mikroperlen, Peelings mit Mikrokügelchen und Zahnpasta mit „Pearl System“ versprechen, dass die neue Technologie Haut und Zähne effektiv mit den kleinen Wunderperlen reinigt. Was man aber erst im Kleingedruckten findet, und auch dann nur wenn man INCI-Listen richtig lesen und verstehen kann: Die Kügelchen bestehen aus Plastik und können bis zu 10% eines Produktes ausmachen.

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Was ist Mikroplastik, worin ist es enthalten?

Mikroplastik ist der Überbegriff für Partikel oder Fasern mit einem Durchmesser kleiner als 5mm. Microbeads in Kosmetikprodukten haben sogar fast immer einen Durchmesser von weniger als 1mm.
Mikroplastik ist ein beliebter Inhaltsstoff in einer Reihe an Produkten, da er sehr billig und leicht zu verarbeiten ist. Mikroplastikpartikel findet man meistens in Körper- und Gesichts-Peelings oder Zahncremes die tausende der winzig kleinen Kunstoffkügelchen beinhalten können. Auch bei Duschgels ist Vorsicht geboten, diese werben oft mit Duschperlen, die die Haut besonders effektiv reinigen sollen. Über Kosmetika landen Mikroplastikpartikel im Grundwasser, in Tieren und Lebensmitteln.


Wozu dient Mikroplastik in Pflegeprodukten?

Produkte die bei der Anwendung reiben und damit die oberste Haut- oder Zahnbelagschicht angreifen werden von uns als besonders reinigend wahrgenommen. Zahnpasta mit kleinen Plastikkügelchen entfernt Zahnbelag effektiver, während intensive Peelings die Haut von abgestorbenen Hautschuppen befreien und sie so weicher erscheinen lässt. So werben Hersteller mit tiefenreinigender Pflege dank „Mikroperlen“ – ein Begriff, der den Konsumenten an einen natürlichen Inhaltsstoff glauben lässt.

 

Mensch, Tier und Umwelt

Studien belegen, dass manche Zahnpasten (darunter vor allem diejenigen, mit so genanntem „Pearl System“), bis zu 10% aus Plastik und Plastik-Teilchen bestehen. Diese gelangen mit der Anwendung zum Teil in unserem Körper und werden wieder ausgeschieden. Wirklich negative Folgen für den Körper sind nicht bekannt oder belegt, die Schäden die für unsere Umwelt entstehen, sind aber umso größer.

Mit Hilfe von Kläranlagen wird versucht die Mikropartikel aus dem Grundwasser zu filtern. Das gelingt aber nur zum Teil, denn ein Teil der Plastikteilchen ist so klein, dass sie durch jeden Filter rutschen und weiterhin im Wasser bleiben. Dabei ist die Grössenordnung bedenklich: Zum Beispiel im Bundesstaat New York werden jährlich rund 20 Tonnen Mikroplastik an Gewässer abgegeben werden.

Einmal im Grundwasser richtet Mikroplastik erhebliche Schäden an: Die Kügelchen können bis in die Verdauungsapparate von Tiere nachverfolgt werden. Dort verstopfen sie die Mägen, führen zu Entzündungen und können bis zum Tod führen.

Doch nicht nur die Tierwelt ist von Mikropartikeln betroffen. Auch in Klärschlamm, der bei der Abwasserreinigung gebildet  wird, sammelt sich tonnenweise Plastik, das später in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt wird. So gelangen Mikroplastikpartikel wieder ins Grundwasser und auch in den Pflanzen selbst. Der Gedanke, dass man die Plastikpartikel des Duschgels auf dem eigenen Teller wiederfindet ist damit garnicht mehr so absurd: Tests des deutschen Konsumentenmagazins ARD haben ergeben, dass Plastikpartikel in nachweisbarer Quantität bereits in Milch, Honig und sogar bereits geklärtem Hahnen- und Leitungswasser enthalten sind.

 

Was können wir dagegen tun?

Wenn Sie diesen Artikel bis hier gelesen haben, ist der erste Schritt bereits getan: Sie haben sich informiert und können nun eher nachvollziehen welche Produkte, ob Kosmetik, Putz- oder Lebensmittel Mikroplastik enthalten können. Der Umstieg auf natürliche und vor allem bio-zertifizierte Lebensmittel und Kosmetika hilft dabei Mikroplastik zu vermeiden.

Tipp: Bei Kosmetik-Produkten wird Mikroplastik als „Polyethylene“ in der Inhaltsstoff-Liste angegeben. Als oberstes Gebot gilt: Vorsicht bei Produkten die mit Mikrokügelchen oder Pearl System werben.

Die gute Nachricht ist: Es gibt viele Alternativen. Natürliche Peelings, Salz, Sand, Tonerde oder gemahlene Nussschalen eignen sich genauso als Reinigungshelfer und sind in vielen Naturkosmetikprodukten enthalten. Und auch Naturkosmetik-Zahnpasta funktioniert ganz ohne Mikroplastik einwandfrei.

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Johanna Graf

Die zwanzigjährige Wienerin studiert Umwelt und Bioressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur. Sie beschäftigt sich nicht nur in ihrem Studium mit umweltrelevanten Themen, sondern interessiert sich auch privat für gesunde und nachhaltige Ernährung. Darüber hinaus verfolgt sie mit großem Interesse die neuesten Trends in den Bereichen Naturkosmetik und Lifestyle.

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